Einleitung
In ihrem Werk “Histoire naturelle des îles Canaries” widmen sich Webb und Berthelot der Identifikation der Purpurinseln, eines Begriffs aus antiken Quellen. Sie sehen Lanzarote und Fuerteventura als die Purpurinseln an, die durch ihre geografische Lage und ihre natürlichen Ressourcen, insbesondere Orchilla, hervorstachen[1].
Identifikation der Purpurinseln
Webb und Berthelot folgen der Meinung von Gosselin und d’Anville, dass Lanzarote und Fuerteventura mit den Purpurinseln gleichzusetzen sind. Diese Zuordnung stützt sich auf die Interpretation antiker Texte, etwa von Plinius, in denen die Inseln im Zusammenhang mit Farbstoffproduktion und ihrer Nähe zum afrikanischen Kontinent erwähnt werden[1]. Die Autoren schreiben: “…nous partageons l’opinion de ce savant commentateur qui, à l’exemple de d’Anville, a rapporté cette ancienne dénomination à Lancerotte et à Fortaventure”[1].
Orchilla und ihre Bedeutung
Ein zentrales Argument ist der Reichtum an Orchilla (Lichen roccella EL) auf Lanzarote und Fuerteventura. Webb und Berthelot zitieren Bory de Saint-Vincent, der annimmt, dass der gesuchte Farbstoff Orchilla war, der seit der Antike sehr geschätzt wurde[1]. Die Verarbeitung von Orchilla war lange ein Geheimnis, wurde aber später weit verbreitet und zu einem der wichtigsten Produkte der Kanaren. Die Autoren bemerken: “L’abondance de cette plante dans les îles de Lancerotte et Fortaventure semblerait confirmer les assertions de M. Bory”[1].
Historische Zeugnisse und Handelsmonopol
Laut Quelle hatten die Phönizier, Karthager und Massalioten nacheinander das Monopol auf den Orchilla-Handel, der später über mauretanische Händler an die Römer überging. Dieser Handel wurde über Jahrhunderte aufgegeben und erst mit der europäischen Eroberung der Inseln wieder bedeutend. Die Chronisten der Bethencourt-Expedition im 15. Jahrhundert berichten: “/y croft une graine qui vaut beaucoup et qu’on appelle orsolle, ont-ils dit, elle ‘sert à teindre drap ou autre chose, et si cette île est une fois conquise et mise à la foi chrestienne, icelle graine sera de grand valeur au sieur du pays”[1].
Geografische Lage und historische Kartographie
Webb und Berthelot heben zudem hervor, dass Lanzarote und Fuerteventura in der alten Kartographie eine wichtige Rolle spielten, da der Nullmeridian lange Zeit durch diese Inseln oder El Hierro gelegt wurde, als westlichster Punkt, der europäischen Seefahrern bekannt war[1]. Diese strategische Lage trug zu ihrer Bedeutung in der atlantischen Navigation und Entdeckung bei.
Fazit
Die Identifikation von Lanzarote und Fuerteventura als Purpurinseln durch Webb und Berthelot basiert auf klassischen Quellen, der Orchilla-Fülle und ihrer Rolle in der Geschichte von Navigation und Farbstoffhandel. Ihre Analyse zeigt, wie diese natürlichen Ressourcen die Wahrnehmung und den Wert der Inseln prägten[1].
