Die Nesologie ist eine vorgeschlagene Disziplin für das umfassende Studium von Inseln aus jeder Perspektive, einschließlich Mythos, Geschichte, Literatur, Kunst, Musik, Philosophie und Psychologie[1]. Diese Wissenschaft der Inseln wird als breites Wissensfeld verstanden, das in der Lage ist, spezifische Phänomene und Probleme der Inselwelt zu analysieren und ist besonders relevant für die Kanarischen Inseln, wo die Insularität Mythen, Namen und Traditionen hervorgebracht hat[1].
Zu den Themen, die die Nesologie behandelt, gehören Phänomene der Nesonymie, also die Arten, wie Inseln benannt werden. Namen können von Göttern, Helden, Mythen, Tieren, Produkten oder Flora abgeleitet sein, wie zum Beispiel Insel des Kronos, Insel des Achilleus, Insel der Hesperiden, Insel der Ziegen, Insel des Salzes oder Insel der Kiefern[1]. Die Vielfalt der Inselnamen spiegelt den kulturellen und symbolischen Reichtum wider, der mit diesen Gebieten verbunden ist.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Polyonymie oder Synonymie, die untersucht, wie eine Insel im Laufe der Geschichte verschiedene Namen erhalten kann. Zum Beispiel wird die mythische Insel des Achilleus von Plinius manchmal Achillea, manchmal Leuce und manchmal Macaron genannt[1]. Die Nesologie analysiert auch die Metonomasie oder Namensänderung, wie im Fall der griechischen Insel Delos, die zuvor Adelos („Die Unsichtbare“) hieß und später nach der Annahme des Apollonkults Delos („die Sichtbare“) genannt wurde[1].
Die Nesologie beschäftigt sich auch mit den Problemen der Identifizierung oder Lokalisierung von Inseln, die in antiken Texten erwähnt werden, von denen viele heute nicht mehr sicher identifiziert werden können. Beispiele hierfür sind die legendäre Thule oder die mythische Ogygia, deren Lage Gegenstand vieler Hypothesen war[1].
Das Studium der Islarii, enzyklopädischer oder spezieller Werke über Inseln, ist ein weiteres Interessensgebiet. Diese Bücher, die in der Antike entstanden und ab dem 14. Jahrhundert in Italien zahlreich wurden, haben zum Aufbau des westlichen Insel-Imaginationsraums beigetragen[1].
Die Nesogonie, also das Studium der Ursprünge von Inseln, unterscheidet zwischen geologischen Erklärungen (Absinken, vulkanische Aktivitäten usw.) und mythischen (Metamorphosen, göttliche Intervention, gefallene Sterne usw.) und zeigt so die Vielfalt der Erzählungen über die Entstehung von Inseln[1].
Schließlich schlägt die Nesologie eine Klassifikation oder Typologie von Inseln vor, wobei zwischen realen Inseln und poetischen Fiktionen unterschieden wird. Letztere können in Kategorien wie mythische, legendäre, utopische, eschatologische, schwimmende, fantastische, Geister-, magische, verlorene oder verzauberte Inseln unterteilt werden[1].
Für die Kanaren ermöglicht die Nesologie die Analyse der komplexen insularen Nomenklatur, die aktuelle, indigene, lateinische und mythische Namen umfasst. Diese Perspektive erleichtert das Verständnis des symbolischen und kulturellen Reichtums der Inseln sowie ihrer Rolle im griechisch-lateinischen atlantischen Imaginarium[1].
