Das erste technische Regelwerk des kanarischen Ringkampfs: Entstehung und Kontroversen (1957–1960) - Kultur
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Der kanarische Ringkampf war über Jahrhunderte hinweg von Gewohnheitsrecht und situativen Entscheidungen geprägt, ohne ein formales technisches Regelwerk[1]. Laut Antonio Ayala wurde erst 1957 ein formeller Versuch unternommen, die Regeln des Sports zu vereinheitlichen[1].

Der Anstoß für ein technisches Regelwerk kam, als Luis Doreste Silva die Präsidentschaft des Verbands von Las Palmas übernahm und seine Annahme des Amtes an die nationale Anerkennung eines technischen Regelwerks knüpfte. Dieses Dokument sollte von der spanischen Föderation anerkannt werden und als Grundlage für die Organisation und Disziplinierung des kanarischen Ringkampfs dienen[1].

Der Entstehungsprozess war von heftigen Debatten zwischen den Verbänden von Las Palmas und Teneriffa geprägt, wobei jede Seite ihre eigenen Traditionen verteidigte. Ayala berichtet, dass nach dem Rücktritt eines Polizeibeamten, der als Präsident fungierte, der Sport in Las Palmas zwei Jahre lang ohne föderative Kontrolle blieb, bis 1957 die Bemühungen um eine Regulierung wieder aufgenommen wurden[1].

Im August 1957 trafen sich Vertreter beider Inselverbände und der spanischen Föderation im Gabinete Literario von Las Palmas, um die jeweiligen Regelwerke zu diskutieren. Die Sitzung dauerte die ganze Nacht, brachte aber keine endgültige Einigung über die Vereinheitlichung der Regeln[1].

Die Hauptunterschiede betrafen technische Aspekte wie die Entscheidung bei Unentschieden, die Definition von Niederlagen und die Organisation der Wettkampfstätten. So schlug der Verband von Teneriffa beispielsweise Artikel vor, die laut Ayala nicht dem traditionellen Geist des kanarischen Ringkampfs entsprachen, wie etwa einen Sieg ohne Niederlage zu erklären, was von der Delegation aus Las Palmas abgelehnt wurde[1].

Ayala dokumentiert, dass nach mehreren Briefwechseln und Treffen die spanische Föderation auf eine Einigung drängte und sogar vorschlug, das jüngste Regelwerk mit akzeptablen Änderungen beider Seiten zu genehmigen[1]. Die Situation blieb bis Oktober 1960 festgefahren, als schließlich ein einheitliches Regelwerk verabschiedet wurde, das die Essenz des kanarischen Ringkampfs respektierte und die Regeln für Sportler und Publikum vereinfachte[1].

Nach Ayala war die Verabschiedung dieses ersten technischen Regelwerks ein grundlegender Schritt für die moderne Organisation des kanarischen Ringkampfs, auch wenn der Prozess von Widerstand gegen Veränderungen und der Verteidigung insularer Traditionen geprägt war[1].

Quellen