Dominik Josef Wölfel
ZeitgenössischGeschichte19. JahrhundertQuellen und Sprache der früheren Inselbewohner

Ethnologe und Forscher zur Geschichte und Sprache

Österreichischer Forscher, der Quellen zu den Kanarischen Inseln sammelte und Monumenta linguae Canariae erarbeitete. Seine politischen Positionen und rassischen Deutungsmuster verlangen eine kritische Bewertung.

Frühe Jahre

Dominik Josef Wölfel wurde am 25. Mai 1888 in Wien geboren. Er starb dort am 27. April 1963. Als Ethnologe sowie Forscher zur Geschichte und zu den Sprachen beschäftigte er sich intensiv mit den Kanarischen Inseln. Er sammelte verstreute Dokumente aus europäischen Archiven und untersuchte die erhaltenen Zeugnisse der indigenen Sprache. Seine Arbeiten zur Dokumentation und Sprachforschung wirkten lange nach. Sie müssen jedoch zusammen mit den Rassentheorien und politischen Positionen betrachtet werden, die seine wissenschaftliche Laufbahn ebenfalls prägten.

Historische Rolle

Seine Ausbildung verlief auf einem ungewöhnlichen Weg. Er erlernte den Beruf des Fotografen, arbeitete als Sprachlehrer und Übersetzer und erweiterte selbstständig seine Kenntnisse in Sprachen, Geschichte und Geografie. Im Jahr 1919 begann er, Lehrveranstaltungen zur Ethnologie, Anthropologie und Urgeschichte an der Universität Wien zu besuchen. Mit der Unterstützung von Wilhelm Schmidt erhielt er Zugang zum Doktoratsstudium und promovierte 1925 mit einer Untersuchung zur Trepanation. Im Jahr 1927 trat er in das Museum für Völkerkunde in Wien ein und übernahm dort Aufgaben in der Sammlungspflege und Forschung.

Zwischen 1930 und 1933 unternahm er Forschungsreisen zu Archiven in verschiedenen europäischen Städten und hielt sich auf den Kanarischen Inseln auf. Er verband die Arbeit mit historischen Dokumenten mit Fragen nach der Vergangenheit der Inselbevölkerung. Er fand das Manuskript von Leonardo Torrianis Beschreibung der Inseln und bereitete eine Ausgabe mit deutscher Übersetzung vor, die 1940 erschien. Die gesammelten Reproduktionen und weiteren Materialien bildeten das Archivum Canarium. Diese Dokumentensammlung sollte die Erforschung der Geschichte des Archipels erleichtern und verstreute Quellen für weitere Untersuchungen zugänglich machen.

El Museo Canario ernannte ihn 1932 zum korrespondierenden Mitglied in Wien und 1941 zum Ehrenmitglied. Von Dezember 1932 bis Februar 1933 besuchte er das Archiv der Einrichtung. Während eines weiteren Aufenthalts von Februar bis Juni 1953 setzte er seine Forschung fort und hielt Vorträge sowie Kurse über die indigene Kultur und die Sprachen der Inseln. Sein umfangreiches Werk Monumenta linguae Canariae wurde 1965 nach seinem Tod veröffentlicht und bündelte seine Untersuchungen der sprachlichen Zeugnisse aus dem Archipel.

Vermächtnis

Seine politische Biografie lässt sich nicht allein mit seiner Verfolgung durch die Nationalsozialisten erklären. Im April 1939 verlor er wegen der jüdischen Herkunft seiner Ehefrau seine Stelle am Museum; nach dem Krieg erhielt er sie zurück. Zugleich unterstützte sein Buch von 1937 über den Spanischen Bürgerkrieg Franco. Historische Forschungen haben finanzielle Förderung seiner Arbeiten durch wissenschaftliche Organe des NS-Regimes sowie rassische Vorstellungen in seinen Schriften nachgewiesen. Diese Aspekte verlangen eine kritische Lektüre seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen und ihrer Entstehungsbedingungen. Im Jahr 2018 schenkte das Institutum Canarium sein Archiv El Museo Canario. Die Bewahrung der Dokumente ermöglicht es, sowohl seinen Beitrag zur Kenntnis der Kanarischen Inseln als auch den wissenschaftlichen und politischen Zusammenhang dieses Beitrags zu untersuchen.

Quellen und Abgleich