Die Erforschung der Sprache der alten indigenen Bevölkerungen der Kanarischen Inseln ist laut Dominik Josef Wölfel mit erheblichen methodischen Schwierigkeiten verbunden. Die Überlieferung des kanarischen Sprachmaterials erfolgte auf sehr unterschiedlichen Wegen und ist von äußerst unterschiedlichem Wert – fast nichts kann kritiklos übernommen werden [1].
Wölfel stellt fest, dass es bis zu seiner Zeit keine systematische und methodische Sammlung des gesamten erreichbaren Sprachmaterials gab, ebenso wenig wie eine umfassende Quellenkritik. Selbst das Verständnis für die Notwendigkeit einer solchen Kritik fehlte oft, sodass seine eigenen Versuche, Quellenzitate zusammenzustellen, als bloße Varianten missverstanden wurden, obwohl sie einen ersten Versuch einer kritischen Analyse darstellten [1].
Das indigene Sprachmaterial ist uns hauptsächlich durch Dokumente aus der Zeit der Entdeckung und Eroberung überliefert, doch auch diese weisen Überlieferungsprobleme auf. Häufig sind die Originaldokumente nicht erhalten, sondern nur Abschriften von Schreibern, die oft flüchtig und fehlerhaft waren, was die Zuverlässigkeit der Namen und Wörter beeinträchtigt [1].
Neben Dokumenten gibt es Berichte von Augenzeugen oder solchen, die direkt von indigenen Sprechern gehört haben. Wölfel warnt jedoch, dass auch diese Zeugnisse selten in ihrer ursprünglichen Form vorliegen, sondern meist in bearbeiteten oder zusammengefassten Fassungen späterer Autoren, manchmal Jahrhunderte nach den Ereignissen. Dieser Prozess der indirekten Überlieferung birgt weitere Fehlerquellen [1].
Zusätzlich erschweren Kompilationen von Wortlisten und Vokabularien späterer Autoren die Lage. Wölfel bezeichnet diese Autoren als „Kompilatoren“ und hebt hervor, dass es im 19. Jahrhundert üblich war, dass Kompilatoren versuchten, ihre Vorgänger durch mehr Wörter zu übertreffen, wobei sie häufig Fehler oder Varianten ohne echte Quellenkritik übernahmen. Der erste Kompilator, der versuchte, seine Quellen anzugeben, Berthelot, machte zahlreiche Zuordnungsfehler, die dann von anderen wie Chil y Naranjo übernommen wurden [1].
Laut Wölfel steht jede Forschung, die auf unkritisch kompiliertem Sprachmaterial basiert, auf unsicherem Boden und ist großen Irrtümern ausgesetzt. Dennoch erkennt er an, dass trotz dieser Schwierigkeiten einige Forscher wie John Abercromby wertvolle Ergebnisse erzielten, während andere wenig Fortschritte machten [1].
Abschließend bedauert Wölfel, dass – anders als in Amerika, wo spanische Missionare Grammatiken und Wörterbücher indigener Sprachen erstellten – auf den Kanaren keine solchen Werke entstanden, vermutlich wegen der raschen sprachlichen und kulturellen Assimilation nach der Eroberung [1].
