Leísmo im kanarischen Spanisch: Entwicklung und Besonderheiten
Leísmo, also die Verwendung des Pronomens “le” als maskulines direktes Objekt für Personen, ist ein zentrales Thema in der Untersuchung des kanarischen Spanisch. Nach Álvarez Martínez, María Ángeles, gab es vor einigen Jahrzehnten auf den Kanaren keine Unsicherheiten bei der Verwendung der Personalpronomen der dritten Person; die etymologische Norm wurde allgemein beibehalten[1].
Die Autorin betont: “Canarias -al hallarse tan alejada de la metrópoli- mantenía una actitud conservadora, preservando el empleo latino, mientras que en Castilla, y luego por extensión en otras zonas peninsulares, se desarrolló otro sistema que originó lo que se conoce por laísmo, leísmo y loísmo”[1]. Das bedeutet, dass die Verwendung von “le” als direktes Objekt im kanarischen Spanisch traditionell nicht üblich war.
Laut Álvarez Martínez begann sich dieses Bild jedoch zu ändern. Sie schreibt: “zonas, como nuestras Islas Canarias, que hasta hace pocos años mantenían intacto el sistema etimológico, tienden a manifestar cada vez más el empleo del leísmo de persona masculino singular, y también el plural”[1]. Beispiele wie “a Juan lo acompañaron a su casa ayer” wechseln sich nun mit “a Juan le acompañaron a su casa ayer” im alltäglichen Sprachgebrauch ab.
Zu den Ursachen für den Vormarsch des Leísmo zählt die Autorin den Einfluss der Medien, insbesondere Radio und Fernsehen, die die Sprachgewohnheiten der Kanaren in kurzer Zeit verändert haben[1]. Außerdem hebt sie das Vorhandensein eines “leísmo de cortesía” (Höflichkeits-Leísmo) in Wendungen wie “a usted no le han escuchado” oder “le saluda atentamente” hervor, das bereits bei älteren Generationen zu finden war[1].
Ein weiterer Faktor ist laut Álvarez Martínez die Verwendung der Präposition “a” vor direkten Objektpronomen für Dinge, was zu einer Verwechslung zwischen direktem und indirektem Objekt führen und den Leísmo begünstigen kann[1]. Die Autorin beobachtet zudem, dass Kanarier oft “passive Leístas” sind, also den Leísmo nicht als ungewöhnlich empfinden, während sie Laísmo oder Loísmo ablehnen.
Sie beschreibt weiter, dass im umgangssprachlichen Bereich das direkte Objekt oft weggelassen wird, da es allen bekannt ist. Dies führt dazu, dass Sprecher die Präsenz von “le” bei bestimmten Verben als normal empfinden und glauben, dass diese Verben ein Dativobjekt verlangen[1].
Bezüglich der Norm erklärt Álvarez Martínez, dass die Königliche Spanische Akademie den maskulinen Singular-Leísmo für Personen akzeptiert, andere Formen von Leísmo, Laísmo und Loísmo jedoch als Vulgarismen betrachtet. Dennoch stellt die Autorin fest, dass sich der Leísmo auch bei älteren Sprechern durchsetzt, ohne dass diese sich dessen bewusst sind[1].
Abschließend merkt sie an, dass die etymologische Norm zwar auf den Kanaren am weitesten verbreitet war, aber zunehmend durch die kastilische Norm ersetzt wird, insbesondere bei jungen Menschen, die Ausdrücke wie “se los obliga” und “se las ve” statt “se les obliga” und “se les ve” verwenden[1].
