Die religiöse Baukunst auf Lanzarote und Fuerteventura während des Ancien Régime gehört laut Cabildo de Lanzarote; Cabildo de Fuerteventura (eds.) zu den am besten dokumentierten und erforschten Bereichen der Inselkunstgeschichte, insbesondere für das 17. und 18. Jahrhundert. Die Forschung stützt sich auf notarielle Akten, Kirchenbücher und diözesane Archive, die die Gründung, Ausstattung und Renovierung zahlreicher Kirchen und Kapellen rekonstruieren lassen[1].
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Erhaltung von Quellen zwischen den beiden Inseln. Fuerteventura verfügt über ein größeres Volumen an Dokumenten, während Lanzarote erhebliche Verluste durch den algerischen Angriff von 1618 und den Brand der Guadalupe-Kirche 1909 erlitt, bei dem viele Pfarrarchive zerstört wurden[1].
Die Untersuchung der sakralen Architektur zeigt die Bedeutung lokaler Familien und der Nachbarschaft bei der Ausstattung von Kapellen. So wurde die Kirche Las Mercedes in El Time 1672 von Manuel de la Trinidad finanziert, während die Kapelle San Agustín in Tefía 1713 durch die Spende von 17 Fanegadas Land der Anwohner errichtet wurde[1].
Die Mobilität der Handwerker zwischen den Inseln war ein wiederkehrendes Phänomen. Steinmetze und Zimmerleute aus Teneriffa, La Palma und Gran Canaria waren am Bau und an der Restaurierung von Kirchen auf Lanzarote und Fuerteventura beteiligt. Hervorzuheben sind Persönlichkeiten wie Julián Sánchez Carmona, ein palmerischer Meistersteinmetz, der die Franziskanerkirche in Betancuria erneuerte und an der Kirche von Guadalupe auf Lanzarote arbeitete, sowie Sebastián Álvarez, vermutlich aus La Laguna, der 1683 für die Holzarbeiten an der Kirche von Guadalupe verantwortlich war[1].
Auch die Beschaffung von Baumaterialien belegt die interinsularen Verbindungen. Es gibt Belege für Holzlieferungen aus Teneriffa zur Eindeckung der Kapelle Santa Catalina in Betancuria zwischen 1572 und 1576 sowie für die Kirche Candelaria in La Oliva und die Kapelle La Peña auf Fuerteventura zu verschiedenen Zeiten[1]. Auf Lanzarote wurde das Holz für die Häuser des Markgrafen 1618 aus Gran Canaria gebracht.
Notarielle Dokumente liefern Details zu Finanzierung, Patronaten und Urheberschaft. Die Kapelle Ntra. Sra. de Nazaret wurde beispielsweise 1646 von Antonio de Sosa und María de los Ángeles errichtet, die sechs Fanegadas Land spendeten und das Patronat für ihre Kinder festlegten[1].
Größere Renovierungen und Wiederaufbauten von Hauptkirchen, wie das Franziskanerkloster in Teguise und die Pfarrkirche Guadalupe, erfolgten oft nach Katastrophen wie Bränden oder Bauschäden und wurden von auswärtigen Handwerkern und der Finanzierung durch angesehene Familien oder lokale Patronen getragen[1].
Zusammenfassend ist die religiöse Architektur von Lanzarote und Fuerteventura im Ancien Régime durch eine reiche Dokumentation, die Mobilität von Handwerkern und Materialien zwischen den Inseln sowie das Engagement der lokalen Gesellschaft bei Gründung und Erhalt ihrer Kirchen gekennzeichnet, wie Cabildo de Lanzarote; Cabildo de Fuerteventura (eds.) in den VIII Jornadas de Estudios sobre Lanzarote y Fuerteventura dokumentieren[1].
