Die Almogarenes von Telde: Kultstätten der Ureinwohner auf Gran Canaria
Im Gemeindegebiet von Telde gehören die Kultstätten der Altkanarier, bekannt als Almogarenes, zu den markantesten und am besten dokumentierten Elementen des archäologischen Erbes der Insel. Historische Chroniken berichten, dass diese Orte für Rituale und Opfergaben genutzt wurden. Ihre Erforschung ermöglicht ein besseres Verständnis des religiösen Lebens der Ureinwohner Gran Canarias[1].
Das Almogaren von Cuatro Puertas
Nahe dem Gipfel des Berges Cuatro Puertas befindet sich dieses Heiligtum, das durch eine große künstliche Höhle von 17 x 7 Metern auffällt, die in vulkanischen Tuffstein gehauen wurde. Die Höhle besitzt vier große Öffnungen, die zu einem Platz führen, auf dem etwa zwanzig Schälchen eingearbeitet sind. In geringer Entfernung, in östlicher Richtung, liegt eine etwa 50 Quadratmeter große Plattform, auf der die Altkanarier Kanäle und Schälchen für Opferhandlungen, wie das von Chronisten beschriebene Übergießen mit Milch, eingraviert haben[1].
In diesem Almogaren finden sich zudem alphabetenähnliche Inschriften, die bislang nicht übersetzt wurden. Die Anlage von Cuatro Puertas ist eines der repräsentativsten Beispiele für die rituelle Architektur der Ureinwohner der Insel[1].
Das Almogaren im Barranco de Silva
Im mittleren Verlauf des Barranco de Silva befindet sich ein weiteres Heiligtum, das aus mehreren künstlichen Höhlen besteht – einige mit Gravuren – sowie mindestens zwei Tuffplattformen, auf denen Kanäle und Schälchen durch kleine Rinnen miteinander verbunden sind. Das Hauptalmogaren liegt auf einer Tuffplattform, mit mehreren Schälchen, die durch ein komplexes System von Rinnen verbunden sind, sodass Flüssigkeiten von einer zur anderen fließen konnten[1].
In der Nähe befindet sich ein weiteres Almogaren mit gestuften Kanälen, die wie kleine Wasserleitungen angeordnet sind. In einem dieser Kanäle sind alphabetische Inschriften zu sehen, die als “Krauss-Inschriften” bekannt sind. Außerdem gibt es eine kleine künstliche Höhle mit geometrischen Gravuren, die mit Fruchtbarkeitskulten in Verbindung stehen[1].
Das Almogaren von El Baladero
Ähnlich wie die vorherigen Fundstellen befindet sich das Almogaren von El Baladero im Stadtzentrum von Telde, im Stadtteil San Francisco. Hier wurde ein bedeutender Betyl-Idol aus Stein entdeckt. Die Stätte weist Schälchen und Kanäle im Tuffstein sowie dreieckige Gravuren auf, die weibliche Vulven darstellen – Elemente, die mit Fruchtbarkeitskulten assoziiert werden[1].
Archäologische Bedeutung
Das Vorhandensein und die Erhaltung dieser Almogarenes in Telde dokumentieren die Bedeutung ritueller und religiöser Vorstellungen in der Gesellschaft der Altkanarier. Materielle Überreste wie Schälchen, Kanäle, Inschriften und Gravuren liefern direkte Zeugnisse für rituelle Praktiken und die kulturelle Komplexität der einstigen Inselbewohner[1].
