Das Seseo ist eines der auffälligsten phonetischen Merkmale des auf den Kanarischen Inseln gesprochenen Spanisch. Laut der im Homenaje an Francisco Navarro Artiles präsentierten Analyse besteht dieses Phänomen darin, die Buchstaben ‘c’ (vor ‘e’, ‘i’) und ‘z’ wie ‘s’ auszusprechen, wodurch die Unterscheidung zwischen den Lauten /θ/ und /s/, wie sie im spanischen Festlandspanisch existiert, entfällt[1].
Navarro Artiles dokumentiert, dass das Seseo auf allen Inseln des Archipels vorkommt, wenn auch mit unterschiedlichen Nuancen und Ausprägungen je nach Insel und soziolinguistischem Umfeld. Im Text heißt es, dass „das Seseo ein gemeinsames Merkmal der kanarischen Umgangssprache ist“ und dass seine Verbreitung so groß ist, dass es als eines der definierenden Elemente der sprachlichen Identität der Inseln gilt[1].
Der Autor hebt hervor, dass dieses Merkmal nicht ausschließlich auf den Kanaren vorkommt, sondern auch in Andalusien und in weiten Teilen Lateinamerikas zu finden ist. Im kanarischen Kontext erhält das Seseo jedoch eine besondere Bedeutung aufgrund seiner Einheitlichkeit und der nahezu vollständigen Abwesenheit der Unterscheidung im alltäglichen Sprachgebrauch[1]. In den von Navarro Artiles gesammelten Beispielen zeigt sich, dass das Seseo sowohl gebräuchliche Wörter als auch spezifische Begriffe des kanarischen Wortschatzes betrifft, was seine tiefe Verwurzelung in der lokalen Sprachkultur unterstreicht.
Im Homenaje wird betont, dass das kanarische Seseo nicht als „Fehler“ oder „Mangel“ verstanden werden sollte, sondern als ein legitimes und charakteristisches Merkmal der insularen Sprachvarietät. Navarro Artiles betont, dass die Bewertung des Seseo deskriptiv und nicht normativ erfolgen sollte, wobei seine identitätsstiftende Funktion und sein Wert als Gegenstand philologischer Studien anerkannt werden sollten[1].
In der Analyse von Navarro Artiles wird auch die soziale Wahrnehmung des Seseo behandelt. Es wird darauf hingewiesen, dass das Seseo zwar historisch als Merkmal der Volks- oder ländlichen Sprache angesehen wurde, heute jedoch von allen sozialen Schichten auf den Kanaren akzeptiert und verwendet wird[1].
Abschließend enthält der Text Beispiele von Wörtern und Redewendungen, in denen das Seseo deutlich wird, und zeigt, wie dieses Phänomen in das tägliche Leben und die Kommunikation der Kanarier integriert ist. Die Arbeit von Navarro Artiles ist grundlegend für das Verständnis der Bedeutung des Seseo bei der Prägung des kanarischen Spanisch und seiner Rolle in der sprachlichen Identität der Inseln[1].
