Die Ernährung der Guanchen: Was Mumien über ihre Essgewohnheiten verraten
Wie ernährten sich die Guanchen, die Ureinwohner Teneriffas? Moderne bioanthropologische Studien, insbesondere im Rahmen des Projekts CRONOS, liefern dank chemischer Analysen von mumifizierten und skelettierten Überresten erstmals präzise Antworten1.
Wissenschaftliche Methoden
Für die Rekonstruktion der Ernährung wurden Spurenelemente wie Strontium, Kalzium und Zink sowie stabile Isotope von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel in Knochenproben untersucht. Die Auswahl der Proben erfolgte nach Erhaltungszustand, geografischer Herkunft und Höhenlage. Insgesamt wurden 171 Knochenproben (darunter 22 Mumien) für Spurenelemente und 250 Skelettproben für Isotopenanalysen ausgewertet1.
Ergebnisse: Fleisch als Hauptnahrungsmittel
Die Resultate sind eindeutig: Die Ernährung der Guanchen war überwiegend fleischbasiert, pflanzliche Nahrungsmittel spielten eine geringere Rolle, und maritime Ressourcen wurden kaum genutzt. Die Kombination aus Spurenelement- und Isotopendaten ermöglichte es, zwischen terrestrischen und marinen Nahrungsquellen zu unterscheiden und deren Bedeutung zu quantifizieren1.
Diese fleischlastige Ernährung deutet auf eine Wirtschaftsweise hin, die auf Viehzucht und Jagd basierte, mit nur begrenztem Zugang zu pflanzlichen und maritimen Produkten. Die Unterschiede in der Ernährung geben zudem Hinweise auf soziale Schichtung und den Grad der Isolation einzelner Bevölkerungsgruppen auf Teneriffa.
Gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung
Die Rekonstruktion der Guanchen-Ernährung liefert nicht nur Einblicke in ihre Essgewohnheiten, sondern auch in ihre soziale Organisation, Anpassungsstrategien und regionale Unterschiede zwischen Nord- und Süd-Teneriffa. So wurden beispielsweise geografische Unterschiede bei Zahnerkrankungen festgestellt, die mit abrasiven Stoffen in der Nahrung und dem Fehlen von raffiniertem Zucker zusammenhängen1.
Ein Vorbild für die Insel-Bioanthropologie
Der multidisziplinäre Ansatz des CRONOS-Projekts, der chemische, paläopathologische und genetische Analysen kombiniert, macht Teneriffa zu einem internationalen Vorreiter in der Erforschung prähistorischer Inselbevölkerungen. Die Forschung zeigt, wie Wissenschaft aus den stillen Zeugen der Vergangenheit – den Mumien – zentrale Aspekte des Lebens der alten Kanaren erschließen kann.