Amolán: Die heilende Butter der Altkanarier und ihr Erbe im Viehzuchtwortschatz - Sprache
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Der Viehzuchtwortschatz der Kanarischen Inseln ist ein lebendiges Zeugnis für den tiefen Einfluss der altkanarischen Bevölkerung auf Sprache und Kultur der Inseln. Besonders hervorzuheben ist der Begriff Amolán, der eine aus Ziegen- oder Schafsmilch hergestellte Butter bezeichnet, die traditionell sowohl als Heilmittel als auch als Nahrungsmittel verwendet wurde[1].

Das Wort Amolán ist heute noch in einigen Regionen von Lanzarote und Fuerteventura bekannt, auch wenn seine Verwendung abgenommen hat. In früheren Zeiten war es jedoch auf den Inseln weit verbreitet. Sprachforscher wie Elías Zerolo und José Agustín Álvarez Rixo dokumentierten den Begriff im Volksmund stets im Zusammenhang mit Ziegenmilchbutter, die als besonders heilkräftig galt – vor allem, wenn sie mit Honig vermischt wurde. Diese Mischung wurde zur sanften Reinigung und Entgiftung des Magens eingesetzt und fand Anwendung bei der Behandlung von Wunden und inneren Beschwerden[1].

Die Herstellung von Amolán war ein sorgfältiger Prozess, der meist in den Sommermonaten stattfand, wenn die Weiden reif waren. Die Milch wurde über mehrere Tage gesammelt und in einer großen Tonamphore aufbewahrt. Sobald genug Milch vorhanden war, wurde sie in einem Ziegenhautsack geschlagen, bis sich die Molke von der Butter trennte. Die Butter wurde anschließend über dem Feuer geschmolzen und gesalzen – so entstand die sogenannte “manteca de ganado”, die von den kanarischen Familien wegen ihrer medizinischen Eigenschaften sehr geschätzt wurde. Sogar nach Amerika wurde dieses Naturprodukt exportiert, wo es als Heilmittel begehrt war[1].

Die Herkunft des Begriffs Amolán beschäftigt Sprachwissenschaftler und Historiker gleichermaßen. Bereits die ältesten Chroniken von L. Torriani und J. Abreu Galindo erwähnen die Verwendung von Amolán bei den Bewohnern von El Hierro, die es zusammen mit Milch (achernen) und Fleisch als Grundnahrungsmittel betrachteten. Die Etymologie von Amolán wird mit Berberwörtern für Dickmilch oder Butter in Verbindung gebracht, was die engen kulturellen Beziehungen zwischen den kanarischen Ureinwohnern und Nordafrika unterstreicht[1].

Die Existenz von Amolán im kanarischen Viehzuchtwortschatz zeigt nicht nur die Überlieferung alter Praktiken, sondern auch die sprachliche Vielfalt der Inseln. Solche Begriffe sind wahre sprachliche Fossilien, die Einblicke in den Alltag der Altkanarier und die kulturelle Entwicklung des Archipels ermöglichen. Ihre Erforschung und Bewahrung tragen dazu bei, das einzigartige immaterielle Erbe der Kanaren lebendig zu halten.

Quellen