Ein uralter Wald im Herzen Gran Canarias
Der Lorbeerwald (Laurisilva) ist eines der ältesten und wertvollsten Ökosysteme Gran Canarias. Einst bedeckte dieser immergrüne subtropische Wald weite Teile der Insel, heute existiert er nur noch in kleinen Resten wie Los Tilos de Moya, Barranco Oscuro und Barranco de Azuaje. Diese Gebiete sind die letzten Überbleibsel des einst ausgedehnten Doramas-Waldes, den die ersten spanischen Siedler als so dicht beschrieben, dass kaum Sonnenlicht den Boden erreichte[^el-medio-natural-terrestre-de-gran-canaria].
Ein Refugium für einzigartige Artenvielfalt
Trotz ihrer geringen Ausdehnung beherbergen die Lorbeerwälder Gran Canarias eine einzigartige Flora und Fauna. Über 50 Pflanzenarten und mehrere hundert endemische Wirbellose leben hier, darunter einige vom Aussterben bedrohte Arten wie die Chahorra (Sideritis discolor) und der Cresta de gallo (Isoplexis chalcantha). Zu den charakteristischen Bäumen zählen der Tilo (Ocotea foetens), der Lorbeer (Laurus azorica), der Barbusano (Apollonias barbujana) und der Viñátigo (Persea indica), die nur auf den Kanaren und in Makaronesien vorkommen[^el-medio-natural-terrestre-de-gran-canaria].
Der Waldboden ist reich an Farnen, Moosen und Flechten und bietet Lebensraum für zahlreiche Käfer und Schnecken. Unter den Vögeln sind die Lorbeertauben (Columba bollii und C. junoniae) typische Bewohner dieser Wälder auf anderen Inseln des Archipels.
Geschichte eines Rückgangs
Mit der Ankunft der europäischen Kolonisten im 16. Jahrhundert begann die intensive Nutzung der Lorbeerwälder. Landwirtschaftliche Expansion und der Bedarf an Holz führten zu einer starken Dezimierung, verschärft durch Weidewirtschaft, Abholzung und die Einführung neuer Nutzpflanzen wie Zuckerrohr und Mais. Bis zum späten 20. Jahrhundert blieben nur kleine Fragmente wie Los Tilos de Moya erhalten, heute ein besonderes Naturschutzgebiet[^el-medio-natural-terrestre-de-gran-canaria].
Ein empfindliches und lebenswichtiges Ökosystem
Die Lorbeerwälder spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz der Böden und der Grundwasserneubildung, da ihre dichten Kronen den Nebel der Passatwinde kondensieren und so zur “horizontalen Niederschlagsbildung” beitragen. Sie benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit und wachsen vor allem an den Nordhängen der Insel zwischen 400 und 1500 Metern Höhe.
Herausforderungen und Hoffnung für den Schutz
Heute stehen die Lorbeerwälder Gran Canarias unter dem Schutz des kanarischen Netzes für Naturräume und durch Umweltgesetze. Ihr Fortbestand hängt jedoch von gesellschaftlichem Bewusstsein, Umweltbildung und wissenschaftlicher Forschung ab. Initiativen des Cabildo de Gran Canaria und des Botanischen Gartens “Viera y Clavijo” fördern die Wertschätzung und den Schutz dieser Wälder für kommende Generationen[^el-medio-natural-terrestre-de-gran-canaria].
Die Lorbeerwälder sind ein lebendiges Zeugnis der Naturgeschichte der Insel und mahnen uns, unser ökologisches Erbe zu bewahren.