Atlantis und die Kanarischen Inseln: Mythos, Wissenschaft und Wirklichkeit - Geschichte
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Atlantis und die Kanarischen Inseln: Mythos, Wissenschaft und Wirklichkeit

Seit der Antike umweht die Kanarischen Inseln ein Hauch von Geheimnis, der maßgeblich durch die Legende von Atlantis genährt wurde. In seiner Allgemeinen Geschichte der Kanarischen Inseln analysiert Agustín Millares Torres, wie dieser Mythos das historische und wissenschaftliche Verständnis des Archipels prägte[^millares-torres-historia-general-islas-canarias].

Der Atlantis-Mythos und seine Verbindung zu den Kanaren

Platon beschrieb Atlantis als ein Land, das größer als Libyen und Asien zusammen war und jenseits der Säulen des Herakles lag. Der Sage nach verschwand Atlantis im Ozean, nachdem die Götter erzürnt waren, und nur die Gipfel der Berge blieben sichtbar – später mit Madeira, den Salvagen, den Kanaren, Kap Verde und den Azoren gleichgesetzt[^millares-torres-historia-general-islas-canarias].

Diese Erzählung wurde von klassischen Autoren wie Aristoteles und Diodor von Sizilien aufgegriffen, die die „Glücklichen Inseln“ jedoch nur vage erwähnten. Die Vorstellung, dass die Kanaren Überreste des mythischen Atlantis seien, hielt sich über Jahrhunderte und inspirierte sowohl die Volksfantasie als auch die Wissenschaft[^millares-torres-historia-general-islas-canarias].

Wissenschaft versus Mythos: Theorien zur Entstehung des Archipels

Im Laufe der Zeit wurden zwei Haupttheorien zur Entstehung der Kanarischen Inseln diskutiert. Die erste, die Theorie des Untergangs, besagt, dass die Inseln die Überreste eines versunkenen Kontinents – Atlantis – seien. Geologen wie Germain vertraten diese Ansicht und glaubten, dass Azoren, Madeira, Kanaren und Kap Verde einst einen großen Kontinent zwischen Afrika und Amerika bildeten[^millares-torres-historia-general-islas-canarias].

Andere Wissenschaftler wie Professor Buchard und Dr. Verneau lehnten diese Hypothese ab, betrachteten Atlantis als Mythos und führten die Entstehung der Inseln auf vulkanische Prozesse zurück. Charles Lyell etwa vertrat die Theorie, dass das Archipel durch aufeinanderfolgende Vulkanausbrüche aus dem Meeresboden entstand, wobei zuerst der Teide und dann die anderen Inseln emporgehoben wurden[^millares-torres-historia-general-islas-canarias].

Das Erbe des Mythos in der kanarischen Kultur

Trotz wissenschaftlicher Fortschritte lebt der Atlantis-Mythos in der kanarischen Kultur und Identität weiter. Die Faszination für ein verlorenes, geheimnisvolles Land inspirierte Dichter, Historiker und Reisende und trug dazu bei, die Kanaren als einen privilegierten, fast magischen Ort erscheinen zu lassen, an dem Natur und Geschichte eng verwoben sind.

So bleibt Atlantis, auch wenn es als Legende gilt, ein fester Bestandteil der Geschichte und Vorstellungskraft der Kanarischen Inseln und zeigt, wie Mythos und Wirklichkeit in der kollektiven Erinnerung eines Volkes nebeneinander existieren können[^millares-torres-historia-general-islas-canarias].

Quellen

  • Agustín Millares Torres (refundición por Agustín Millares Carlo y Antonio Fleitas Santana) — Historia General de las Islas Canarias (1945)