Die Geschichte der öffentlichen Bibliotheken auf Fuerteventura und Lanzarote im 20. Jahrhundert ist geprägt von demografischen Kriterien, territorialen Ungleichheiten und strukturellen Herausforderungen. Laut den von der Kultur- und Sportbehörde der Kanarischen Inseln gesammelten Daten folgte die Gründung öffentlicher Bibliotheken in den wichtigsten Gemeinden im Allgemeinen dem Kriterium, eine Bibliothek pro 5.000 Einwohner einzurichten[1]. Die Anwendung dieses Kriteriums war jedoch nicht einheitlich, was zu erheblichen Ungleichheiten beim Zugang zur öffentlichen Lesekultur führte.
So verfügte Puerto del Rosario mit fast 15.000 Einwohnern im Jahr 1986 nur über zwei öffentliche Bibliotheken, obwohl nach dem genannten Kriterium mindestens drei erforderlich gewesen wären. Ähnlich verhielt es sich in Arrecife, das mit über 30.000 Einwohnern ebenfalls nur zwei öffentliche Bibliotheken hatte, obwohl der Standard sechs vorsah[1]. Darüber hinaus gab es Fälle, in denen die Standortwahl der Bibliotheken willkürlich erschien: Antigua, mit etwas mehr als 2.000 Einwohnern, hatte eine öffentliche Bibliothek, während Yaiza mit 1.994 Einwohnern keine hatte[1].
Das Fehlen eines mobilen Bibliotheksdienstes (Bibliobus) verschärfte die Situation in kleinen Gemeinden wie Betancuria, die in Bezug auf die öffentliche Leseförderung völlig unversorgt blieben[1]. Diese Realität machte deutlich, dass eine tiefere Analyse der sozialen Bedürfnisse und eine an die Besonderheiten jeder Gemeinde angepasste Planung erforderlich waren.
Das Bibliothekswesen war zudem von wirtschaftlichen Engpässen betroffen, wobei Bibliotheksdienste in Krisenzeiten als erste darunter litten[1]. In diesem Zusammenhang betonten Fachleute die Bedeutung von Bedarfsanalysen, der Festlegung konkreter Ziele und der Bewertung der erzielten Ergebnisse, anstatt starre Kriterien zu verwenden, die sich ausschließlich auf Bevölkerungszahlen oder materielle Ressourcen stützten[1].
Die traditionelle Sichtweise der öffentlichen Bibliothek als konservative und elitäre Institution, die sich auf die Bewahrung des Kulturerbes konzentriert, wurde kritisiert. Stattdessen wurde ein nutzerorientiertes Modell vorgeschlagen, das den Zugang zur Lesekultur für die gesamte Bevölkerung garantiert[1]. Der Erfolg einer Bibliothek sollte nicht nur an der Qualität ihrer Bestände, sondern auch an Indikatoren wie der Anzahl der Mitglieder, Ausleihen, Anfragen und nicht erfüllten Wünschen gemessen werden.
Ein weiteres Problem war die Professionalisierung des Bibliothekspersonals. In vielen Fällen wurde der Dienst von provisorischem Personal, Lehrern oder Verwaltungsangestellten ohne spezifische Ausbildung geleitet, was die Konsolidierung stabiler und hochwertiger Bibliotheksdienste erschwerte[1].
Abschließend wurde dazu aufgerufen, über veraltete Modelle hinauszugehen und gemeinsam zu arbeiten, indem Berufsverbände und die Koordination zwischen Bibliotheken verschiedener Inseln gefördert werden, um Ressourcen zu optimieren und den Service für die Gemeinschaft zu verbessern[1].
